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Das See ist grundlos

DAS SEE IST GRUNDLOS – Dreizehn künstlerische Positionen treffen in der Galerie Stiegenwirt aufeinander und erkunden Wahrnehmung ohne sicheren Halt. Zwischen Oberfläche und Tiefe, Orientierung und Unsicherheit entstehen Arbeiten, die vertraute Bedeutungen verschieben und neue Erfahrungsräume öffnen.

Andreas Herok: Lago di Garda

Mit der Ausstellung DAS SEE IST GRUNDLOS präsentiert der Kunst- und Kulturkreis Wullersdorf dreizehn künstlerische Positionen, die aus einem Open Call hervorgegangen sind. Der Ausstellungstitel versteht sich als bewusste Irritation sprachlicher Ordnung und eröffnet einen Raum, in dem Wahrnehmung, Bedeutung und visuelle Erfahrung in ein offenes Verhältnis treten.

Die ausgewählten Arbeiten nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und Medien. Gemeinsam ist ihnen ein Interesse an Brüchen, Verschiebungen und Zuständen, in denen Orientierung nicht vorausgesetzt werden kann. Die Ausstellung versteht sich als Spannungsfeld zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen Benennung und Erfahrung.

Künstlerinnen und Künstler

  • Michael Bottig
    Bottigs Arbeit thematisiert die Diskrepanz zwischen kartografischer Ordnung und der oft chaotischen Realität von Fluchtbewegungen. Parallele Bildebenen – von idealisierten „Linuren“ über dokumentierte Routen bis hin zu medialen Fragmenten – verweisen auf die Vielschichtigkeit von Wahrnehmung und Erfahrung. Eine dominante, treppenartige Struktur durchkreuzt die vermeintliche Orientierung und führt ins Ungewisse. So entsteht ein Bildraum, der die Spannung zwischen Ordnungssystemen und existenzieller Realität sichtbar macht.
  • Ulrike Bültemeyer
    Die gebürtige Kärntnerin thematisiert Migration als ambivalente Erfahrung zwischen Erwartung und Realität. Ihre Arbeiten zeigen Figuren, die von dynamischen, abstrakten Strukturen umgeben sind und unter dem Einfluss sozialer und emotionaler Spannungen stehen. So entstehen Bildräume, die Zugehörigkeit, Fremdheit und innere Verortung gleichermaßen reflektieren.
  • Die 4 Grazien feat. Christiane Spatt
    „Die 4 Grazien“ greifen die Irritation des Ausstellungstitels als Ausgangspunkt für eine performative Auseinandersetzung mit Unsicherheit und instabilen Bedeutungsräumen auf. In ihrem Video Heldinnen – staying alive as female artists verbinden sie Tanz, Humor und Solidarität zu einem Statement über Sichtbarkeit und Selbstbehauptung. Vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin entsteht ein Spannungsfeld zwischen Leichtigkeit und den prekären Bedingungen künstlerischer Existenz.
  • Petra Forman zeigt uns eine gebrochene Berglandschaft aus pastosen Strichen. Leben zeigt sich nicht. Die Farben wirken organisch und erdverbunden – sie erzeugen eine Stimmung von Natur, Zeit und ruhiger Kraft. Der Titel "Verschobener Grund" deutet bereits darauf hin, dass wir die Seele des Bildes nicht auf der Oberfläche ablesen dürfen. Es arbeitet bewusst mit Mehrdeutigkeit, was eine sehr poetische und offene Interpretation erlaubt.
  • Uschi Hamálgyi
    Mit „PER ASPERA AD ASTRA“ präsentiert die Künstlerin Ursula Halmágyi ein ausdrucksstarkes Werk, das die Poetik des Fragmentarischen ins Zentrum rückt. Die Decollage und Collage verbindet zerrissene Bildschichten, Werbefragmente und fotografische Elemente zu einer vielschichtigen visuellen Erzählung. Im Spannungsfeld zwischen Auflösung und Neufügung entsteht ein Bild, das den lateinischen Wahlspruch „Durch das Raue zu den Sternen“ auf intuitive Weise reflektiert: Das Motiv wächst aus dem Chaos hervor und verweist auf Hoffnung, Entwicklung und künstlerische Transformation.
  • Dmytro Khodorchuk thematisiert die Situation von Menschen auf der Flucht, die in neuen gesellschaftlichen Kontexten grundlegende Sicherheiten verlieren. Seine Arbeit beschreibt einen Zustand zwischen Überleben und Orientierungslosigkeit, geprägt von sozialem und strukturellem Ausschluss. Die Metapher des „bodenlosen Sees“ steht dabei für eine Existenz ohne festen Halt – zwischen relativer Sicherheit und anhaltender Ungewissheit.
  • Saskia Lassmann beschäftigt sich in ihrer aktuellen Arbeit mit Erinnerung, Wandel und den Spuren persönlicher Erfahrungen. Ihre Werke eröffnen einen poetischen Raum, in dem Naturbezüge, innere Fragmente und Erneuerung miteinander verflochten sind. Mit sensiblen Materialien und reduzierter Formensprache lädt sie dazu ein, über Identität, Vergänglichkeit und das fortwährende Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart nachzudenken.
  • Birgit Lock thematisiert in ihrer Arbeit Erinnerungen den Widerspruch zwischen Erwartung und Bedeutung. Ein Buch als Träger von Wissen wird durch eine unlesbare Bilderschrift unterlaufen, während ein alltägliches Objekt – ein Gummiringerl – die Rolle von Bild und „Sprache“ übernimmt. So verschieben sich gewohnte Hierarchien von Bedeutung und Wahrnehmung.
  • Dora Mai
    In ihrer Werkserie Körpergefühl Wasser erforscht die Künstlerin Dora Mai die elementare Verbindung zwischen Mensch und Wasser. Die großformatigen, dynamischen Malereien fangen jene Momente ein, in denen Körper und Wasser miteinander verschmelzen: Schwimmen, Tauchen, Sich‑treiben‑lassen – Zustände völliger Präsenz, frei von äußerer Wahrnehmung und ganz im Einklang mit sich selbst.
    Wasser erscheint dabei als Ursymbol des Lebens: Wir kommen aus ihm, wir entwickeln uns in ihm, wir erinnern uns an es – körperlich wie visuell. Mit kraftvollen Pinselbewegungen, Schichtungen aus Blau- und Türkistönen sowie aufbrechenden Linienstrukturen untersucht Mai das fluide Spiel aus Licht, Brechung und ständiger Veränderung. Die Figuren scheinen zu verschwimmen, sich aufzulösen, neu zu formen – ein Bild des ewigen Wandels.
  • Kurt Spitaler verwandelt ausgediente Bugholzmöbel und rote Kunststoffseile in überraschend leichte, organisch wirkende Skulpturen. Durch die Reduktion auf einfache Formen und ein seriell-additives Prinzip überführt er vertraute Alltagsobjekte in neue, poetische Zusammenhänge. Die Arbeit Schmetterlinge zeigt, wie Spitaler funktionale Fragmente durch präzise Setzungen in ein schwebendes Gefüge verwandelt, das weit über das klassische Ready-Made hinausweist.
  • Anita Steinwidder entwickelt mit ihren CHARM BRACELETS fragmentarische Erzählobjekte aus Ketten und Fundmaterialien. Alltägliche Materialien werden zu Trägern von Erinnerung, Herkunft und Zugehörigkeit transformiert. Zwischen Oberfläche und verborgener Bedeutungsschicht entsteht ein offener Raum, in dem Identität und Geschichte als bewegliche, vieldeutige Prozesse erfahrbar werden.
  • Jürgen Wagner
    In seiner Serie materialic untersucht Wagner das Zusammenspiel von Material, Farbe und Licht. Zwei aufkaschierte Aluminiumfolien fungieren als Reflektoren, die je nach Tages- oder Kunstlicht unterschiedliche optische Spannungen erzeugen. Darüber liegende, variabel transparente Acrylschichten lassen die Arbeiten zwischen sichtbarer Metalloberfläche und dichten Farbfeldern changieren. So entstehen Bilder, die sich ständig verändern und den Blick aktiv in ein Spiel aus Oberfläche und Licht einbinden.
  • Sophie Vitovec erkundet in ihren Arbeiten das Zusammenspiel von Skulptur, Installation, Fotografie und Poesie als Form des Geschichtenerzählens. Alltägliche Situationen werden zu Ausgangspunkten für vielschichtige Erlebnisräume, in denen Wahrnehmung hinterfragt und das Verborgene sichtbar wird. Ihre Arbeiten laden dazu ein, zwischen visueller und sprachlicher Ebene eigene Bedeutungen zu entdecken und das Geheimnisvolle im Alltäglichen neu zu erfahren.

Kuratoren
Andreas Herok, Andreas Semerad

Eröffnung
10. April 2026, 18:00 Uhr

Zur Eröffnung spielt Mellow Tone Plus
Wolfgang Förster (p, voc), Mani Leeb (voc, dr), Josef Leeb (git)

Ausstellungsdauer
11. April – 26. April 2026

Finissage
26. April 2026 ab 17 Uhr

Ausstellungsort
Galerie Stiegenwirt
Abt-Karl-Straße 205
2041 Wullersdorf

Weblink: DAS SEE IST GRUNDLOS
#dasseeistgrundlos

Credits

Abbildungen oben:

  • © Andreas Herok, Kunst- und Kulturkreis Wullersdorf